Wochenendtrip: Gokayama
Das zweite Wochenende des Programms in Kanazawa nutzte ich für einen längeren Übernachtungsausflug in die benachbarte Präfektur Toyama. Dort und in der Präfektur Gifu gibt es einige Dörfer, die traditionell reetgedeckte Häuser, die als kulturell wichtige Güter instand gehalten werden. Außerdem gibt es einige kleinere und größere Museen zu lokalen Bräuchen, lokaler Industrie und zur Geschichte der Region. Gifu ist dann doch etwas weit, weswegen ich mich dazu entschied in Ainokura in der Region Gokayama zu übernachten.
Ainokura hat die meisten noch bewohnten Häuser im genannten Stil der Region und liegt gleichzeitig sehr entlegen zu den anderen Dörfern, aber am weitesten nördlich und per Bus von Kanazawa auch gut mit nur einem Umstiegspunkt in zwei Stunden zu erreichen. Ich machte mich früh auf den Weg, um noch etwas von der Gegend zu sehen und dank des späten Sommers war die Strecke gepflastert mit Reisfeldern kurz vor der Ernte, auch wenn die Temperaturen außerhalb der Busse recht hoch waren.


Im Dorf angekommen legte ich meinen Rucksack erst einmal in der Pension (Minshuku) ab und sah mich etwas in der Gegend um. Da die Häuser die Hauptattraktion der Gegend sind gab es einige Aussichtspunkte für gute Fotos, von denen einige aber aufgrund von Bärensichtungen abgesperrt waren. Trotzdem konnte ich einige schöne Fotos einsacken. Leider war das Hauptmuseum des Dorfes aufgrund von Renovierung geschlossen, aber das Folklore Museum hatte geöffnet, und da ich so ziemlich die einzige Touristin im Ort war, unterhielt ich mich auch sehr nett mit der Angestellten. Das Museum war gut ausgestattet, wenn auch etwas spärlich in Englisch ausgeschildert und hatte einen Fokus auf Volkslieder, zugehörige Instrumente und die lokale Papierproduktion. Es gab es auch einen kleinen „Workshop“, bei dem man etwas Papier selbst schöpfen konnte zu einem Laden zugehörig, der auch andere Papierprodukte verkaufte.



Minshuku sind Herbergen bzw. Pensionen, die üblicherweise von einer Familie oder einem Paar geführt werden, wobei alle in Washitsu (Tatami-Zimmer) schlafen, die Badezimmer teilen, die Besitzer auch etwas lockeres Abendgespräch bieten und das Essen frisch zubereiten. Der Aufenthalt war sehr schön und das Essen exzellent. Nach Sonnenuntergang darf kein Sightseeing mehr stattfinden, für Einwohner und Übernachtungsgäste, was ich sehr angenehm fand.



Ursprünglich wollte ich am nächsten Tag eigentlich direkt nach Kanazawa zurückfahren, allerdings fuhr der erste Bus zurück erst gegen Mittag und ich hatte noch recht viel Zeit am Montag. Da es also in Gokayama noch zwei weitere Bereiche, die über Gasshō-zukuri Häuser verfügen, wohin früher Busse fuhren, also auf gings nach Gokayama (der zentrale Ort) und Suganuma.
In Gokayama selbst gibt es zwar nur wenige reetgedeckte Häuser, dafür aber das älteste der ganzen Gegend, das auch zu einem Museum ausgebaut wurde, das sich hauptsächlich der Lebensweise widmete. Hier war die Beschilderung auf Englisch besser und auch die Tourist Information war gut ausgestattet. Eigentlich wollte ich auch noch beim Onsen vorbeischauen, das erlaubte Tagesgäste aber nur am Nachmittag und so zog ich unverrichteter Dinge weiter nach Suganuma.


Suganuma ist das zweite Dorf, das als Gesamtkonstrukt als Welterbe registriert ist, ebenso wie Ainokura. Dort stehen weniger Häuser, aber die Museen sind spezialisiert auf die Relevanz von Gokayama für die Präfektur Ishikawa (damals noch Kaga) und die lokale Salpeterproduktion, was sehr interessant war. Durch die Berge vom Hauptteil der Präfektur abgetrennt, diente Gokayama als Verbannungsgebiet für Verbrecher, war aber durch die Salpeterproduktion vor dem Ende des 19. Jahrhunderts relevant für die Pulverproduktion von Kaga wie anderer verbündeter Regionen. Außerdem war es der Region gestattet aufgrund fehlender Reisanbaumöglichkeiten (damals) ihre Steuern durch den Salpeter zu bezahlen.
Mit dem Bus ging es dann die gleiche Strecke nach Kanazawa zurück was mich komfortabel am frühen Abend am Bahnhof ankommen ließ. Da an vielen Stellen sehr günstige Schließfächer zur Verfügung stehen ließ sich auch leichtes Gepäck in eine Tour verarbeiten.


