Langes Wochenende: Kyōto

3. Oktober 2024 0 Von maikesarah

Direkt nach der Taiken am Freitag den 13.09 ging es für das erste von zwei langen Wochenenden zusammen mit Melanie nach Kyōto. Die Taiken war Wadaiko (和太鼓), also japanische große Trommeln. Aus einer gewissen Distanz und rhythmisch finde ich sie ziemlich beeindruckend, aber dank der Taiken weiß ich nun, dass ich sie auf kurze Distanz eher unangenehm finde, da sie extrem laut sein können und ähnlich zu elektrischem Bass direkt im Brustkorb vibrieren.

In Kyōto angekommen machten wir uns zu einer kleinen Pension in Gion auf, was ein sehr schöner Stadtteil für Übernachtungen und abendliches Umsehen ist. Abgesehen von einem Katzencafé waren wir abends aber nur noch beim Kiddyland (einem Shop für Merchandise verschiedenster Form), da der letzte Abschnitt des Sailor Moon Reboots vor kurzem erschienen war und es eine designierte Kooperation gab. Leider war fast keines der zum Verkauf stehenden Stücke besonders gut designt und aus einem mir unerfindlichen Grund wurde auch ein Crossover mit den Sanrio-Charakteren, was noch weniger funktioniert hat.

Kamogawa an Shijō bei Nacht
Auch die Katzen im Katzencafé sind abends müde

Takarazuka Ochakai

Am Samstag hatte ich am Vormittag nicht viel weiter vor außer die mir bekannten Läden in Kyōto etwas nach passenden Dingen zu durchsuchen und dann nach Ōsaka zu migrieren, um dort das Gleiche zu tun. Auch wenn in Kyōto viele schöne Tempel, Schreine oder einfach nur Bereiche der Stadt existieren, so ist Sommer erstens die schlechteste Jahreszeit, um draußen mit vielen anderen Menschen unterwegs zu sein und zweitens war ich an den meisten Orten schon oder sie sind so mit anderen Touristen überfüllt, dass man sich kaum bewegen kann. Bis auf etwas Merch und ein paar Manga gab es nicht so viel gutes, aber es war schön, wieder in Kyōto unterwegs zu sein, und zu erkennen, warum die Leute in Kanazawa (über 400000 Einwohner) immer von ihrer eigenen Stadt als „inaka“, also ländlich, sprachen. Es ist in Kyōto deutlich mehr los.

Kamogawa am Morgen

Am Abend aber hatten Melanie und ich aber etwas recht ungewöhnliches vor. Sie ist ein großer Fan der rein weiblich besetzten Takarazuka Revue (die Stücke werden häufig von Männern geschrieben und inszeniert). Die bekannteren Schauspielerinnen sowie natürlich die Topstars verfügen über Fanclubs, die häufig von Freundinnen, der jeweiligen Mutter und oder Tante geführt werden und spezialisierte Merch-Artikel verkaufen sowie Karten und Veranstaltungen für ihre Mitglieder organisieren. Als Ausländer Mitglied in einem solchen Fanclub zu werden ist recht komplex, aber eine Bekannte Melanies (ja es gibt einen Discord-Server internationaler Takarazuka-Fans) ist Mitglied in einem solchen Fanclub und da sie die Chance auf ein Selfie mit ihrem Star erhält, sollte sie mindestens zwei Nicht-Mitglieder mitbringen, erhielten Melanie und ich die Gelegenheit an einem sog. „Ochakai“ (ca. Teetreffen) mitzukommen.

Die ganze Veranstaltung hatte weniger mit Tee zu tun und war mehr eine Art Handshake-Event mit Elementen eines entspannten Interviews mit Fragen von Seiten der Clubmitglieder zur laufenden Show (einer Adaption einer japanischen Politcomedy in der der ungeliebte Premierminister an Amnesie leidet), Kostümen und Choreographie. Auch wenn ich nicht nochmal zu so einem Event gehen muss, war es auf jeden Fall eine einmalige Gelegenheit teilzunehmen. Da Takarazuka ungefähr eine Stunde mit dem Zug von Kyōto entfernt ist (je nachdem mit welcher Linie man fährt), geht es auch komfortabel hin und zurück.

Immerhin bekommt man bei den Ochakai ein paar Giveaways

Iga-Tal in der Präfektur Mie

Am Sonntag ging es für mich etwas weiter aus Kyōto raus, da ich mich mit einer japanischen Freundin traf, deren Mutter uns dankenswerterweise etwas herumkutschierte. Ursprünglich bestand die Idee darin, sich etwas das südliche Nara anzusehen, aber mit einem Auto zur Verfügung machten wir uns hinüber in die Präfektur Mie auf. Die beiden Gegenden Iga und Koga sind dafür bekannt Ninja-Hochburgen gewesen zu sein und schlagen den bestmöglichen touristischen Profit aus dieser Lage. Neben dem zentralen Schloss (szenisch leicht erhöht über den umliegenden Feldern) gibt es auch einige kleinere Ninja-Museen sowie eine praktische Vorführung (hiervon keine Fotos, da das verboten war.

Die Gegend war sehr schön und etwas kühler als die Kessellage Kyōtos. Die Museen hatten schön detaillierte Erklärungen und gaben sich glücklicherweise nicht mit besonders viel Fantasy-Kram über Ninjas ab. Neben Waffen, Geheimschrift, Kleidung und verschiedenen Alltagstechniken gab es auch ein begehbares Haus mit verschieden verbauten Verstecken. Die praktische Vorführung selbst umfasste einige Waffenerklärungen, sowie choreographierte Kämpfe. Die Darstellung selbst war sehr gut und die Erklärungen leicht verständlich, wenn auch nur in Japanisch, aber das lustige waren die Soundeffekte. Während der 1980er gab es einen absoluten Ninja-Boom in verschiedenen Medien und die verschiedenen Effekte klangen eins zu eins aus einer Serie oder einem Film aus dieser Zeit entnommen, was dem ganzen einen recht humoristischen Beigeschmack gab. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht und war recht ungewöhnlich.

Blick auf das Schloss in Iga
Und der Blick vom Schloss

Arashiyama Affenpark

Am Montag schließlich nutzte ich die recht günstige Zugverbindung von 2 Stunden nach Kanazawa von Kyōto aus, um mein Gepäck zunächst einzuschließen und den Tag mit einer anderen japanischen Freundin in Arashiyama zu verbringen. Da sie als Studentenjob Tickets bei dem Sightseeing Zug von Arashiyama nach Kameoka verkauft war dieser natürlich inbegriffen, aber zunächst ging es zum Arashiyama Monkey Park, in dem ich tatsächlich vorher noch nicht gewesen war.

Der Tag war leider von sommerlicher Hitze in Kyōto begleitet, was den Anstieg zum Park etwas schweißig machte, aber die Aussicht machte das deutlich wett. Die bezeichnenden Affen sind wie so häufig Japan Makaken und waren ganz süß anzusehen, auch wenn wir uns nicht zu den vielen anderen Touristen in die eine kleine Hütte quetschten, in der man sie füttern darf. Nach einem kleinen Mittagessen ging es schließlich mit dem Sightseeing Zug nach Kameoka und mit dem normalen JR-Zug zurück mach Kyōto, da ich mich dann schon bald auf den Weg zurück nach Kanazawa machen musste.

Aussicht vom Monkey Park
Kakigōri mit Matcha-Soße, Shiratama-Dango, Adzukibohnen und etwas Matcha Warabi-Mochi
Sonnenuntergang vom Zug aus