Tagestrip: Izumo Taisha

4. Oktober 2024 0 Von maikesarah

Der definitiv längste Tagestrip, den ich von Kyōto aus unternahm, führte mich nach Izumo. In der Präfektur Shimane und auf der Kontinentalseite Japans liegt der Izumo Taisha recht abgelegen und ist per ÖPNV deutlich schwerer zu erreichen als der Ise-Jingū. Der Izumo Taisha ist neben dem Ise-Jingū einer der beiden zentralen Schreine für die Gründungsmythen Japans. Ganz grob werden in diesen Mythen zwei Pantheons vermischt, der eine in Ise und der andere in Izumo ansässig. Die Architektur der beiden Schreinkomplexe unterscheidet sich zwar deutlich voneinander, ist aber jeweils sehr alt und auch in regelmäßigen Neubauten erhalten geblieben. Am Izumo Taisha wird hauptsächlich Ōkuninushi verehrt, der abgesehen von seiner Rolle in den Gründungsmythen vor allem als Medizin-Kami gesehen wird. Zu den mit ihm assoziierten Mythen gehört auch „Der weiße Hase von Inaba“. Die vielen kleinen Hasenstatuen auf dem Schreingelände verbinden den Izumo Taisha aber auch mit einer Wirkung für Enmusubi (der romantischen Partnerverbindung).

Der Yakumo Sonderexpress von Okayama nach Izumo-shi

Um bis nach Shimane zu gelangen musste ich von Kyōto zunächst den Shinkansen nach Okayama nehmen, dort in einen Sonderexpress nach Izumo-shi umsteigen und von dort aus noch einmal eine halbe Stunde mit dem Bus fahren. Zusammen genommen dauert eine Anreise mit ÖPNV von Kyōto aus 5 1/2 Stunden. Da ich durch diese lange Anreisezeit erst gegen Mittag am Schrein war gab es als erstes etwas zu Mittag. Zu den lokalen Spezialitäten gehört dort Zenzai, eine Suppe aus Adzukibohnen, die je nach Geschmack mit verschiedenen anderen Zutaten und meistens heiß serviert wird. Ich wählte die Variante mit Yakimochi (angebratene deftige Reiskuchen) und etwas lokalem Sencha als Getränk. Beides war absolut exzellent und nur zu empfehlen.

Zenzai mit Yakimochi und Sencha (das Gesicht ist Ōkuninushi, zu erkennen an der markanten Frisur)

Das Schreingelände selbst ist beim Izumo Taisha insofern ungewöhnlich, als man nicht kontinuierlich einen Berg hinaufgeht, sondern nach dem Eingangstor einen Abhang hinuntergeht und sich ab dort ebenerdig fortbewegt. Die vielen Kiefern geben dem ganzen ein mediterranes Gefühl und die recht zahlreichen Besucher sind größtenteils Japaner, da der Schrein etwas außerhalb üblicher Reiserouten liegt. Aufgrund dessen sind Beschreibungen auf Englisch rar und manchmal etwas lustig in der Übersetzung. Abgesehen von der etwas anderen Bauart der Gebäude ist der Izumo Taisha für die beiden riesigen Taue bekannt, die vor den zwei wichtigsten Hallen hängen. Im Schatzhaus lassen sich außer einigen Spenden der Schönen, Reichen und Ganz Schön Reichen auch Überreste einer Ausgrabung älterer Fundamente bestaunen, wobei die ungefähr 2 m im Durchmesser dastehenden Überreste ehemaliger Grundpfeiler wirklich sehr beeindruckend sind (wie so häufig auch hier keine Fotos erlaubt). Einen gewissen nationalistischen Faktor hat der Komplex dank einer meiner Meinung nach unnötig großen Flagge auch, aber sonst ist das Gelände sehr schön und mit vielen verschiedenen süßen kleinen Hasenstatuen durchsetzt.

Hinab zum zentralen Komplex
Ein Beispiel für die Hasenstatuen
Ōkuninushi in Statuenform
Riesige Strohseile, das Markenzeichen des Izumo Taisha
Man kann auch etwas übertreiben
Blick durch das zweite zum dritten Torii aus dem Gelände heraus