Der Enryaku-ji auf dem Hieizan
Nordöstlich von Kyōto mit gutem Blick in Richtung Osten wie Westen, und technisch gesehen inzwischen in der Präfektur Shiga, steht der Enryaku-ji auf dem Berg Hiei. Als einer der größten Tempel Japans ist es der zentrale der Tendai-shū, der japanischen buddhistischen Schule, der viele der anderen heute beliebten entsprangen, ganz voran natürlich die Schulen des Amida-Buddhismus. Im Rahmen des zweiten Projektseminars, das ich in Japan belege übten wir teilnehmende Beobachtung an zwei Orten und einer davon war dieser berühmte Tempel.

Es gibt viele Wege auf den Hieizan, aber die billigste Variante ist ein Direktbus von Demachiyanagi aus, welchen wir auch nahmen. Über Serpentinen mit jeweils schönen Blicken auf den Biwako und nach Kyōto ging es in etwa einer Stunde nach oben zum Tōdō, einem von dreien und dem zentralen Gelände des Tempelkomplexes. In Kyōto selbst ist es tagsüber häufig noch fast heiß, doch auf dem Berg war es schon fast kalt und trotz fehlendem Regens zahlte sich die mitgenommene Jacke definitiv aus. Zuerst führten einige Kommilitonen die gesamte Gruppe durch dieses Areal und stellten die Hallen und die Geschichte des Tempels vor. Nach einem Mittagessen im kleinen lokalen Laden, mit sehr leckeren Soba mit Berggemüse und Tempura ging es weiter zur eigentlichen Aufgabenstellung; wir verteilten uns auf dem Gelände und beobachteten die anderen Besucher. Nach dem Beobachtungszeitraum, den ich in der leider im Umbau befindlichen Haupthalle verbrachte, hatten wir noch Zeit für eine kurze Besprechung und etwas Amazake mit Ingwer (schmeckt ohne Alkohol wie Reisporridge), bevor wir schon wieder mit dem Bus nach Kyōto mussten.




Da wir nur den einen Tag Zeit hatten, schafften wir es leider nicht mehr zu den anderen Zonen, da diese nicht nur relativ weit auseinander liegen, sondern auch an sich noch einmal eine gewisse Größe aufweisen. Ein paar Päckchen Räucherstäbchen nahm ich noch mit sowie das Goshuin der Haupthalle, das zufällig ein besonderes vom 28. des Monats war. Die Anreise dauert zwar etwas, trotzdem wurde ich einen Besuch gerade gegen Ende oder Anfang des Sommers empfehlen, da es dann noch angenehm kühl ist, während Kyōto brütet.